Auszeit in der Südsee

Sehr lange musste das Ziel auf meiner Liste der Reiseziele warten, um an der Reihe zu sein. Nun bin ich schon mal in Neuseeland, da liegt es nahe, sich eine der Inseln im Pazifik auszusuchen, um die Südsee zu sehen und zu erleben. Die Idee ist, nicht länger im Flugzeug zu sitzen, als wenn ich von München nach Teneriffa fliegen würde. Ungefähr die Strecke liegt zwischen Auckland und Fidschi, oder Fiji, wie sie hier schreiben.

Fidschi – Fiji Inseln in der Südsee

Ich entscheide mich also für Fidschi – gut von Auckland aus zu erreichen und nicht zu weit entfernt.

Fehlt nur noch die endgültige Adresse. Ich mache mich also auf die Suche nach einem Ort, an dem sich das ‚Südseefeeling‘ am ehesten realisieren kann.

Wie viele der Südseeländer besteht auch Fidschi (knapp eine Million Einwohner) aus einer ganzen Anzahl von Inseln. Die Hauptinsel Viti Levu mit dem Regierungssitz in Suva, dem Flughafen in Nadi hat auch die meisten Einwohner und natürlich auch die meisten Ferienressorts. Entlang der gesamten Küste liegen sie aufgereiht und bieten vom 3* bis um 5*+ alle denkbaren Annehmlichkeiten und Abenteuer. Tauchen, schnorcheln, Bootsausflüge, mit Delphinen und Haien schwimmen – alles zu haben, doch ruhig und wie auf einer Insel zu leben ist das nicht. Sowas oder so Ähnlilches wird in jedem Ferienort am Meer weltweit angeboten.

Ich suche eine Bleibe, die für ein Leben auf der Insel typisches bietet – quasi einen Platz ‚off the beaten track‘, also weg von ausgetretenen Pfaden.

Nach heftigem Suchen werde ich auf der Nachbarinsel Kadávu fündig. Sie liegt etwa eine knappe Flugstunde südlich der Hauptinsel und wird von Fiji Airways angeflogen. Dort gibt es an der Südküste ein Ressort mit Namen ‚Matava, Fiji untouched‚. Es ist, weil es auf der Insel kaum Straßen gibt auch nicht auf einer Straße zu erreichen und liegt etwa 25 km vom Flugplatz entfernt. Sieht gut aus – ich buche mich für eine Woche ein.

Das Abenteuer kann beginnen. Ich decke mich ausreichen Lesestoff, mit der ein oder anderen Idee für den Blog ein und schon kann es losgehen.

In Auckland besteige ich eine Boeing 737-800 der Fidschi Airways und hoffe, die Leute in Seattle haben mittlerweile alle Probleme mit dieser Maschine im Griff. Allen Bedenken zum Trotz verläuft der Flug ruhig, wir landen sogar ein paar Minuten vor der planmäßigen Ankunft in Nadi.

Es bleibt ein wenig Zeit zum Weiterflug nach Kadavu Island, bis wir dann im sehr einfach gehaltenen ‚Domestic Departure‘-Gebäude zum Einsteigen aufgefordert werden. Auf dem Rollfeld wartet eine 17 sitzige, zwei-motorige De Havilland Canada DHC-6 Twin Otter in den Farben von Fiji Airways. Der andere Passagier, ein Einheimischer und ich – tatsächlich fliegen nur zwei Fluggäste auf die Insel – werden von einer freundlichen Dame in Fliegeruniform zur seitlich ausgeklappten Treppe gebracht und aufgefordert einzusteigen. Ich sitze in Reihe 7 C – Fensterplatz – aber auch der einzige Sitz in der letzten Reihe. Sie fragt mich, ob ich im Gefahrenfall mit ihnen kooperieren würde und die seitliche Fluchttür öffnen könnte, sollte es nötig sein – klaro. Dann steigt sie aus und schließt die Tür, geht gemessenen Schritts um das Flugzeug rum und nimmt auf dem Co-Piloten-Sitz Platz -sowas nenne ich effizient 😉

Der Runnway ist zugleich Taxiway und so fahren wir die Startbahn bis gut zur Hälfte hinauf um mit einem Turn auf dem Kuchenteller in Startposition zu drehen. Die Gashebel sind bei dieser Maschine über Kopf in der Mitte und so kann ich zusehen, wie der Captain die Hebel nach vorne drückt und wir damit Geschwindigkeit aufnehmen.

Start nach Kadavu

An dieser Maschine gibt es keine Trenntüre zwischen den Paxen und dem Cockpit. Nach gefühlt 300 m sind wir in der Luft und drehen nach Süden ab. Die Strecke führt uns über die gesamte Hauptinsel, durch kleine Haufenwolken auf eine Flughöhe von etwa 4000 m.

…über den Wolken…

Wie mit Google Earth in Maximalauflösung fliegen wir über das Land bis wir nur noch Wasser unter uns haben.

Kadavu kommt näher, wir überfliegen verschiedenfarbige Korallenbänke, die wie Inseln ein paar Meter unter dem Wasserspiegel in klarem Wasser liegen, rundherum weißer Sand, der das Meer wie das Türkis eines Wassermalkastens aussehen lässt.

Korallen-Riff
Riffe wie Inseln, nur unter Wasser

Schnell kommt die dunkelgrün aus dem Meer aufsteigende Insel in Sicht und kurz darauf landen wir auf dem Airstrip von Vunisea/Kadavu, der auf dem kurzen, flachen Gelände zwischen der Nord- und Südküste liegt.

Kurz vor der Landung auf Kadavu

Der einzige Platz an dem ein Rollfeld liegen kann, denn der Rest der Insel besteht aus über und über bewachsene Bergen und Hügel vulkanischen Ursprungs, jedenfalls kein Platz für einen Flugplatz.

Während wir von der Co-Pilotin verabschiedet werden, wird unser Gepäck ausgeladen.

Plötzlich steht Abel hinter mir und fragt: „Matava? Matava?“ ich: „yes“, Abel:“I’m Abel“, ich: „I’m Paul, nice to meet you“. Abel: ‚Komm, wir laden Koffer und Rucksack auf den Truck und fahren zur Anlegestelle, zuerst aber müssen wir zum (Tante-Emma-)Laden‘.

Meine Sachen landen alle auf der Ladefläche eines ausgemergelten Hilux und schon geht es los.

Bei Kems holen wir in zwei Schachteln verpackt das bestellte Brot und einige andere Lebensmittel ab. Der Laden ist sehr ‚basic‘; ein Shed, wie die Neuseeländer das nennen würden, doch in einfachster Form. Alle Lebensmittel gibt es nur in Dosen oder trocken in Tüten und Schachteln, nur Brot und Zwiebeln, Kartoffeln und etwas Gemüse sind frisch. Der Rest ist verpackt.

Ich werde zum Verantwortlichen für die Flora Margarineschachtel erklärt, denn die kommt aus dem Gefrierfach und soll nicht in die Sonne.

Da liegt das Boot und wir kommen nach und nach

Dann startet der klapprige Pick-up – hier heißt so ein Auto Ut [Jut] – und bringt uns über den Berg zur Anlegestelle für das Boot. Unser Boot schaukelt etwa 20 m vor der Kaimauer in sehr seichtem Wasser, denn die Tide ist gerade nieder. Das heißt für alle Passagiere Schuhe und Socken auszeihen und zum Boot waten, über die Bordwand einsteigen und schon kanns losgehen.

Abel hat seine Tochter mit ihrem kleinen Söhnchen und einen Helfer mit dabei.

Unser Boot wird beladen

Ganz gemütlich verlassen wir die Bucht und wenden uns dann mit mehr Gas nach Osten. Der lange Körper und der flache Boden eignen sich bestens, um in der mit Korallen gespickten Lagune mit Karacho unterwegs zu sein.

Abel findet mit fast 40 km/h seinen Weg und nach gut 50 min erreichen wir das Ziel.

Matava Resort liegt an einem Hang, der in flaches Wasser übergeht.

Matava Resort

Gerade haben wir Niedrigwasser d.h. wir müssen ein paar Schritte über trocken gefallenes Land laufen.

Niedrige Tide vor dem Resort

Von Marc, dem Chef der Anlage und der Belegschaft werde ich herzlich willkommen geheißen und stelle bei dieser Gelegenheit fest, dass ich wohl für die ganze Woche der einzige Gast sein werde – Shoulder Season, sagen die hier für die Zeit nach den Sommerferien.

Bevor ich in meine Hütte einziehen kann, werde ich mit Lunch versorgt, es gibt gebratene Gemüsetaler an gemischtem Salat 😉  – sehr köstlich und passen genau, denn die Mahlzeiten im Flieger waren nicht nach meinem Geschmack.

Mein erstes Lunch

Nun habe ich eine Reise in drei Etappen hinter mir und bin rechtschaffen ko – das frühe Aufstehen, es war 6:00 Uhr als der Bus zum Flughafen am Hotel abfuhr, zudem schlägt das Kalorienkoma zu. Ein paar Minuten Ruhe wären jetzt schön. Ich werde zu meiner Unterkunft geführt, was mich angesichts der 99 Stufen ganz schön atemlos macht.

Meine Unterkunft für eine Woche

Ich stehe vor meinem Häuschen, in der ich die nächsten 8 Nächte verbringen werde. Es ist außen mit Bambus und Schilf verkleidet, die Türe lässt sich mit einem Drehknopf öffnen.

Ein schöner Platz – da kann man es aushalten

In der Mitte des sich vor mir öffnenden Raums steht auf dunklem hochglänzendem Boden ein großes Bett, auf dem der Willkommensgruß in Form eines Handtuchs mit Blumen und grünen Zweigen wunderschön drapiert ist.

Willkommensgruß

Blumen liegen auch auf den Kissen und auf dem Sideboard. Ich fühle mich an der richtigen Stelle.

Zumal der Ausblick von meiner Terrasse auf die gegenüberliegende Insel fantastisch und die Brandung des Ozeans als unterschwelliges, tiefes Rollen immer zu hören ist – mal lauter, mal leiser, je nach Windrichtung.

Blick von meiner Terrasse

Nun liegt die Woche schon hinter mir, in der ich tatsächlich das ruhige Leben auf einer friedlichen Insel genossen habe.

Gemeinschaftsraum

Das wunderbare Essen, aus der Fiji-Küche,

Frühstück ala Fiji

die Gespräche mit Marc – er hat eine interessante Geschichte, wie er als Aussi hierherkam und das Ressort aufgebaut hat. Gespräche mit dem ein oder der anderen Teammitarbeiterin oder Mitarbeiter, z.B. mit Tema (?), die als Jugendliche das Fiji-Team in Netball vier Jahre lang in Australien verstärkt hat. 

Die Sonne verabschiedet sich

Selber konnte ich viel lesen und den Blog schreiben und ein paarmal bin ich mit dem Kayak zur Nachbarinsel gepaddelt und vor allem habe ich das süße Nichtstun geübt – eine gutes Training.

Matava Resort auf Kadavu/Fiji – eine schöne Erfahrung

Jetzt geht es nochmals zurück nach Neuseeland um die abschließende Motorradtour zu unternehmen.

Dranbleiben, es gibt bald wieder was Neues.  

2 Antworten auf „Auszeit in der Südsee“

  1. Lieber Paul,
    So eine relaxed Woche in so traumhafter einsamer Umgebung tut Dir offenbar sehr gut. Eine super Idee, zwischen Nord- und Südinsel Neuseelands eine Auszeit in der Südsee zu nehmen!
    Danke für die wunderbaren Bilder und das ‚Mit-Träumen‘.
    Weiterhin eine gute Reise!
    Viele Grüße Wolfgang

  2. Lieber Paul, eine beneidenswerte Reise . Macht Lust wieder selbst aufzubrechen. Dir weiterhin schöne Erlebnisse und wir freuen uns auf Deine Berichte. 🤗

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