Unterwegs in den Weiten des Nordwestens

Kilometerstand: 3.914

Nach einer Nacht mit heftigem Regen und Gewittern starten wir nach der Morgen ’Experience‘ mit den Delphinen zu unserer nächsten Etappe. Sie soll uns ein wenig weiter nach Norden und den wärmeren Temperaturen entgegenbringen. Doch der stramme Südwind – er kommt ungebremst von er Antarktis – lässt nicht nach, so dass es erst mal nicht wirklich warm wird, es bleibt bei etwa 22° C Tageshöchsttemperatur. Doch sobald wir vom Meer wegkommen, lösen sich die Wolken auf und wir fahren der Sonne entgegen, nach Norden.

Nach der Rast, es geht wieder weiter

Zwischendurch sollte ich sagen, dass unsere Perla Negra II wie eine Nähmaschine läuft. Sie läuft bei der max. zugelassenen Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h bei gerade mal mit knapp 4.000 Touren und fühlt sich hörbar wohl dabei, sie schnurrt wie ein Kätzchen. Die ununterbrochenen Strecken kann man an unserer bisherigen Durchschnittsgeschwindigkeit ablesen, die immerhin bei 85 km/h liegt – es geht also zügig vorwärts.

Der nächste Halt auf unserer Reise ist Carnarvon, eine kleine Stadt an der Westküste. Von hier aus, so berichten die Reiseführer, wurden erstmals lebende Tiere verschifft, was zu dem gut 1600 m langen Bootsanleger führte, hier heißen solche Dinger Jetty, denn die Stadt hat keinen natürlichen Hafen.

Doch bevor wir dieses Unikum zu Gesicht und vor die Kamera bekommen, dürfen wir über die Erde Funkstelle auf dem Hügel am Ortseingang staunen. Dort steht nicht nur eine in den Himmel gerichtete Parabolantenne, es befinden sich vielmehr eine ganze Ansammlung verschiedenster Funkantennen auf dem Bergrücken. Das erweckt natürlich mein Interesse. Oben angekommen, finden wir ein Raumfahrtmuseum, das die gesamte Zeit der Mercury-, Gemini- und Apollo-Missionen (1958 – 1972) zum Thema hat. Hier befand sich nämlich eine von mehreren um den Globus verteilten Funkstationen, die es ermöglichten, den Funkkontakt zwischen der ‚Mission Control‘ in Houston/Texas und den, die Erde umkreisenden Kapseln zu halten – für die jungen Leser: Funksatelliten im Orbit gab es zu dieser Zeit noch nicht, es mussten Plätze auf der Erde gefunden werden, die der Reihe nach die Kapseln anfunken konnten, da diese schneller flogen, als die Erde sich dreht, Carnarvon war einer davon.

NASA-Funkstation in Carnarvon

Wie so oft in Amerika und auch hier, kümmert sich nach dem Ende des aktiven Einsatzes niemand mehr um die Einrichtungen, sie beginnen nach und nach zu verfallen. So wird auch hier in Carnarvon so gut es geht der Verfall durch eine Initiative enthusiastischer Privatleute hinausgezögert. Mit sehr wenig Geld und großem Engagement versuchen sie mit Hilfe von Spenden und Eintrittsgeldern die Einrichtungen der Nachwelt zu erhalten. Doch wie die Realität zeigt, den Verfall können sie bestenfalls verlangsamen, nicht jedoch stoppen. Der Mann an der Kasse erzählte, dass die große Parabolantenne nur noch drehbar, nicht aber schwenkbar sei, da die Motoren nicht mehr funktionierten und eine Reparatur unerschwinglich sei. Ebenso fanden wir die technischen Einrichtungen der Sende-/Empfangsanlage bereits zerlegt und in einem sehr verstaubten Zustand im Museum ausgestellt – ein etwas morbider, musealer Zustand, der nur noch die nostalgischen Gedanken an die Pionierzeiten der Raumfahrt nachklingen lässt – besonders bei den Zeitzeugen, von denen wir auch welche sind.

Nicht anders ergeht es uns am nächsten Tag mit dem One Mile Jetty. Der Anlieger liegt vor der Stadt. Am Ende der Straße finden wir einen kleinen Rangierbahnhof, in dem alte Wagons und alte, schon sehr verrostet Lokomotiven stehen. Unser Hauptinteresse gilt aber dem langen Steg. Auf ihm sind Gleise verlegt, die schon lange nicht mehr befahren wurden. Am Anfang des Stegs steht ein Schild, das uns sagt, dass der Jetty aus Sicherheitsgründen geschlossen sei und es nicht bekannt sei, wann er wiedereröffnen würde.

One Mile Jetty in Carnarvon

Wir machen unser Erinnerungsfoto und setzen uns wieder aufs Motorrad. Andere Länder andere Einstellung zu zeitgeschichtlichen Denkmälern, denken wir und finden es schade, nicht wenigstens ein paar Schritte auf dem alten Steg in Richtung Meer laufen zu können.

Denkmal hin, Denkmal her, das Land hat sowieso viel mehr Sehenswertes in der Natur zu bieten, was wir schon am Nachmittag erleben können. Nur etwas mehr als 50 km abseits unserer Strecke liegen die spektakulären Blowholes. Dabei hat das Meer unter die Kalksteinfelsen Höhlen geformt und in deren Decke auch gleich noch Löcher gebohrt, so dass bei ankommender Brandung das Wasser in die Höhlen strömt und dann durch die Löcher mit einem lauten Fauchen in einer Fontäne in die Höhe schießt – mal stärker, mal etwas schwächer, das ist abhängig von der Tide.

Blow Holes am Indischen Ozean

Nach 100 km sind wir wieder auf unserer Strecke nach Norden und passieren ganz beiläufig den Wendekreis des Steinbocks (23°26‘) – ein Bild davon muss natürlich schon entstehen.

Coral Bay ist unser nächstes Ziel. Es ist bekannt dafür, dass direkt vor der Küste das Ningaloo Riff verläuft, ein Korallenriff der ganz besonderen Sorte. Es wird wegen der niedrigeren Wassertemperatur vor allem aus den harten Korallen gebildet und entwickelt, wie alle Korallenriffe, ein Wunder an Formen und Farben, bei den Korallen ebenso, wie bei den Fischen.

Coral Bay

Wir dürfen uns auf einer Schnorcheltour davon überzeugen und sind beide ganz begeistert.

Nur tags darauf können wir das Erlebnis etwas weiter im Norden, im Cape Range National Park, auf eigene Faust erkunden, wo wir in der Turquoise Bay

Turquiose Bay

mit der Drift über die Korallen schwimmen und schnorcheln, bis uns die Breeze, der kalte Wind aus dem Süden, vertreibt; ganz nebenbei, die Temperaturen sind immer noch nicht viel höher, als 23 Grad C am Tage und etwa 10 Grad C in der Nacht, obwohl sich am Himmel keine Wolke mehr zeigt. Das Wasser hat hier ca. 20 Grad C.

Exmouth mit Langwellensender

Nach einer Zwischenstation im Nanutarra Roadhouse, wir übernachten in einer fensterlosen Kabine, sind wir für den längeren Schlag nach Tom Price und in den Karijini National Park gerüstet. Kaum biegen wir vom North West Costal Highway ab, sind wir fast ganz alleine unterwegs. Nur noch in langen Abständen begegnen uns Autos und viel öfter sind das Road Trains, als PKWs. Es ist ein klares Zeichen dafür, dass wir uns nun in einer Region befinden, die vor allem durch die riesigen Tagebauten von Eisenerz und Lithium (wie Alex verbessert hat, s. u.  Kommentar) geprägt ist. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass wir die Nacht in einem Hotel für Minenarbeiter mit Vollpension verbringen.

Fortescue Falls, Karijini National Park

Ganz in der Nähe befindet sich aber auch der von allen gelobte Karijini National Park, auf den wir es abgesehen haben. Die Besonderheiten des Parks sind, tief in den Felsen eingeschnittenen Schluchten, in denen sich Bäche und Flüsse ihren Weg bahnen. Hin und wieder bildeten sich in den Canyons auch kleine Seen, die über Wasserfälle gespeist werden. Eine gute Gelegenheit für die Besucher, mitten in der Wildnis ins Wasser zu hüpfen und für Motorradtouristen, wie uns, zumindest ein paar Fotos zu schießen.

Fern Lake, Karijini National Park

Unser nächstes Ziel ist Port Hedland, ein Erzhafen und reine Industriestadt, für uns nur gut, um die Tagesetappe abzuschließen und am nächsten Tag ohne großen Aufenthalt weiter zu fahren.

Emu

Die Temperaturen beginnen zu steigen. Mit jedem Tag wird es wärmer – tropisch eben.

Bleibt dabei, es kommen heiße Tage.

 

 

 

4 Antworten auf „Unterwegs in den Weiten des Nordwestens“

  1. Liebe Kathy und Paul,
    Schön, dass Es Euch gut geht. Die Berichte und Fotos sind wie immer sehr interessant und werden immer professioneller, klasse!
    Alles Gute weiterhin und viele tolle Eindrücke und Erlebnisse.
    Viele Grüße aus good old Munich
    Wolfgang und Marita

  2. Liebe Kathy, lieber Paul,
    der Sommer in Bayern ist leider vorbei. Heute ist so ein richtig regnerischer Herbstsonntag, und wir genießen seit einer Stunde eure Berichte aus unserem geliebten Australien. Bis Exmouth konnten wir eurer Reise noch mit eigenen Erinnerungen folgen, die nächsten Strecken werden wir in Zukunft sicher noch selbst erkunden, vor allem den Karijini NP und die Route von Broome nach Darwin. Weiterhin gute Fahrt und viele schöne Erlebnisse unterwegs. Herzliche Grüße, Christl und Rodge

  3. Liebe Kathy, lieber Paul,
    ganz viel Spass und weiterhin gute Reise. Wir haben von Verwandten, die bei BMW arbeiten von Eurer Reise gehoert und leben selber seit 8 Jahren in Perth. Nur so nebenbei: In der Pilbara (Norden von Westaustralien) wird definitiv keine Kohle abgebaut (die gibt’s an der Ostkueste im Norden von Queensland und im Huntervalley, NSW sondern weitgehend nur Eisenerz. Und ein Grossteil des Lithiums, dass auf der Welt in Batterien verwendet wird, kommt auch aus Westaustralien. Alles Gute weiterhin. Liebe Gruesse, Alex

  4. Hallo, Ihr lieben Globetrotter,
    kaum schaut man ein paar Tage nicht auf den Monitor, seid Ihr schon fast in Darwin… Immer wieder schön, die Bilder nebst Erläuterungen zu sehen und zu lesen. Sehr interessant. Erstaunlich auch die Andersartigkeit dieses Kontinents, wie Du schon gemailt hattest, Paul. Wünsche Euch weiterhin eine bewahrte Fahrt und freue mich auf die nächsten Berichte.
    Wie schon Christl geschrieben hat, geht’s hier bei uns Richtung Herbst, und die Sonne kommt Euch entgegen. Glückwunsch! Diesbezüglich würde ich gerne tauschen…
    Liebe Grüße aus der Heimat, Manfred & Waltraud

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